Ein Baum lebt und braucht Zuwendung

Grundschulprojekt lehrt Verantwortung für die Natur

Eine Gruppe von Kindern steht im WaldDie Grundschüler aus Rottweil-Neufra beim Finale des Waldpädagogik-Projektes "Kinder pflanzen Bäume - mein Baum und ich".

Viel über den Wald zu lernen gab es für 260 Kinder aus den Grundschulen in Oberndorf-Aistaig, Bochingen, Lindenhof, Rottweil-Neufra, aus Sulz, Vöhringen und Dornhan-Weiden. Mit ihnen hatte die freie Waldpädagogin Sabine Bieger bereits im Frühjahr 2021 ein besonderes Projekt gestartet, welches von der Stiftung Kinderland Baden- Württemberg und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald BW gefördert wird.

So haben die Kinder aus zertifizierten Eichensamen ganz eigenverantwortlich kleine Bäume mit begeisterter Fürsorge großgezogen. In je zwei Veranstaltungen pro Schuljahr lernten sie viel über Wald, Bäume, Waldtiere und auch, was Nachhaltigkeit bedeutet. Für die Eichensämlinge in den Töpfen wurden in dieser Zeit Gießpläne erstellt und ein Baumtagebuch erarbeitet. So ist mit der Zeit die Beziehung zu den Bäumchen teilweise sehr rührend geworden. „Bei dem Projekt wird die Entwicklung des Kindes mit der des Baumes verbunden, es entsteht ein hoher emotionaler Bezug. Ein tieferes Verständnis für Bäume sowie eine Rückverbindung zum Wald sollen damit geschaffen werden“, so Bieger

In den zwei Jahren mussten sich die Kinder in Geduld üben und mit manchem Misserfolg klarkommen. Denn leider gelang die Aufzucht von manchem Bäumchen nicht. So sorgte das nasse Frühjahr 2021 dafür, dass die Samen ertranken. Daher besorgte Sabine Bieger 2022 neue Eichensämlinge. Wer im trockenen Sommer dann das Gießen vergessen hatte, bekam absichtlich keinen Ersatz. So lernten die Kinder, Verantwortung zu übernehmen und mit den Konsequenzen zu leben. „Ein Baum ist lebendig und braucht Fürsorge. Und es ist kein digitales Spiel, das man einfach neu starten kann“, so die Waldpädagogin.

Insgesamt haben die Kinder einen guten Job gemacht, nur 40 Setzlinge gingen ein. Nun, im Frühjahr 2023, ist es an der Zeit die Eichen auszupflanzen. Erstaunliche 120 Kinder wollten „mein Baumbaby“ nahe bei sich haben und fanden ein Plätzchen zuhause. Für alle anderen etwa 100 Bäumchen ging es dieser Tage in die Wälder der Kommunen. Dabei wurde Sabine Bieger durch Maurien Hein, Försterin und ebenfalls Waldpädagogin, kollegial unterstützt.

Kinder machen Hüllen um frisch eingepflanzte BäumeWuchshüllen sollen die jungen Bäume schützen, bis sie etwas größer geworden sind.

Hein stellte den Kontakt zu den Förstern her und überprüfte die gefundenen Flächen auf die Eignung für eine Pflanzung mit Kindern und den richtigen Standort. Dass ihre Kolleginnen und Kollegen dann sogar die Flächen bilderbuchmäßig vorbereiteten, zeigt, dass auch ihnen das Projekt wichtig ist. „Für Kinder machen wir alles“, so Revierförster Köninger. In den meisten Fällen konnten die Eichen in Schulnähe gepflanzt werden, sodass die Kinder einen weiteren schönen Schultag im Wald erleben durften.

Egal ob im Revier der Försterinnen Josephine Crocoll, Lena Teufel oder der Förster Simon Köninger oder Karlheinz Mertes: Mit Feuereifer buddelten die Kinder auf Anleitung von Maurien Hein ein ordentliches Loch, setzten die Bäumchen vorsichtig ein und bauten Wuchshüllen auf. Die Försterinnen und Förster versicherten, dass es den „Baumbabies“ hier sehr gut gehen wird und man auf sie aufpasst.