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Mit Paul Kälberer und Gustav Bauernfeind „auf Reisen“

Zwei Ausstellungen in Glatt und Sulz

Ein Gemälde zeigt Boote am Meer, im Hintergrund Felsen, links ein Gebäude mit zwei MenschenWenn Menschen auf Reisen gehen, verlassen sie den vertrauten Raum, sammeln neue Eindrücke und lernen bislang unbekannte Gegenden kennen. Gerade, weil Künstler beständig auf der Suche nach Inspirationen sind, hat das Reisen für sie eine besondere Bedeutung. Auf Reisen entfalten sie eine außerordentliche Produktivität und halten Landschaft, Architektur und Menschen in Skizzen, Zeichnungen und Aquarellen fest.

Die Ausstellung mit Titel „Paul Kälberer – Auf Reisen“ zeigt malerische und grafische Arbeiten Paul Kälberers von Reisen nach Oberbayern, in die Schweiz, nach Teneriffa und in die Niederlande.

Die Ausstellung ist Teil einer Kooperation der Kunststiftung Paul Kälberer mit dem Bauernfeind-Museum in Sulz am Neckar. Es werden deshalb nicht nur zwei Werke des Sulzer Künstlers Gustav Bauernfeind (1848–1904) in der Ausstellung gezeigt, sondern im Baernfeind-Museum findet vom 30. März bis 29. Juni eine ergänzende Ausstellung zu den Italienreisen von Paul Kälberer und Gustav Bauernfeind statt.

Die Wissenschaft hat die Begeisterung deutscher Literaten und Künstler für Italien mit dem Wort „Italiensehnsucht“ prägnant zusammengefasst. Auf Italienreisen suchten sie Inspiration in den klassischen Altertümern und der mediterranen Landschaft und hielten diese in Wort und Bild fest. Gustav Bauernfeind war dreimal in Italien. Bei seiner ersten Italienreise von April 1873 bis Juni 1874 war er ausschließlich dafür unterwegs, für den Prachtband „Italien. Eine Reise von den Alpen bis zum Ätna“ Skizzen und Zeichnungen anzufertigen. Daraus sind insgesamt 61 Holzstiche durch das Xylographische Institut von Adolf Cloß in Stuttgart angefertigt worden.

Bauernfeinds zweiter Italienaufenthalt von Juni bis Dezember 1876 war eigentlich nicht geplant. Für den zweiten Prachtband des Engelhorn-Verlages „Das Schweizerland“ wollte er ursprünglich in Birnau am Bodensee die endgültigen Zeichnungen fertigstellen. Da er kein ordentlich helles Zimmer fand und keine Verköstigung zu bekommen war, entschloss er sich zur Weiterreise nach Verona.

Von Juli bis Oktober 1877 reiste Bauernfeind mit seinen Freunden Gustav Schönleber und Ludwig Dill nach Chioggia, etwa 15 Kilometer südlich von Venedig. Dieser dritte Italienaufenthalt war der Einstieg für Bauernfeind in die Ölmalerei, die ihm seine Freunde näherbrachten.

Ein Gemälde zeigt ein Dorf mit Kirche, im Hintergrund Berge

Gut 50 Jahre später unternahm der Maler und Grafiker Paul Kälberer (1896–1974) drei ausgedehnte Reisen nach Italien. Seine Tagebücher, aber auch die überlieferten Werke zeigen sein Bestreben, sich mit der Kunst der alten Meister auseinanderzusetzen, aber auch die Eindrücke von Städten, Dörfern, Meer und Menschen in seinen Werken einzufangen.