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Zecken

Die Zecke, ein Blutsauger auf acht Beinen

Über den Stichkanal geben Zecken mit dem Speichel Substanzen ab, die die Einstichstelle betäuben, das Gewebe auflösen und die Blutgerinnung verhindern. Über den Speichel können auch Krankheitserreger in die Wunde gelangen. Dabei sind vor allem zwei durch Zecken übertragbare Erkrankungen für den Menschen von Bedeutung: Die von Bakterien ausgelöste Lyme-Borreliose und die virale Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME). Die Viren der Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) verursachen eine Gehirnhautentzündung. Die Bakterien der Lyme-Borreliose hingegen können viele Organe schädigen, v.a. die Haut, aber auch das Nervensystem, die Gelenke und  Muskeln.
 
Wie kann man sich vor Zecken schützen?
  • Bei einem Aufenthalt im Freien helle, geschlossene Kleidung tragen, Socken über die Hose ziehen, geschlossene Schuhe tragen
  •  Zeckensprays für die Haut und Kleidung haben zwar eine gewisse Wirkung, diese ist aber zeitlich begrenzt
  •  Den gesamten Körper nach einem Aufenthalt im Freien nach Zecken absuchen.  Findet man eine Zecke, nicht mit dem Suchen aufhören, bis der restliche Körper abgesucht ist
  •  Nicht nur die Familie und sich selbst absuchen, sondern auch Haustiere, die sich im Freien aufhalten
  •  Den Garten häufiger mähen, Zecken benötigen ein feuchtes Kleinklima
 
Was tun, wenn die Zecke zugestochen hat?

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen lassen sich Zeckenstiche nicht immer vermeiden. Was ist zu tun, wenn Sie feststellen,  dass sich eine Zecke bereits in die Haut eingestochen hat?
  • Zecke möglichst schnell entfernen und die Wunde desinfizieren, sowie die Zecke entsorgen;

    Dies  bietet einen gewissen Schutz vor Borreliose. Die Borrelien sitzen vor allem im Mitteldarm der Zecke. Nach Beginn der Blutmahlzeit dauert es in der Regel mehrere Stunden, bis sie von dort auf den Menschen übertragen werden. Frühzeitiges Entfernen minimiert also das Risiko einer Borrelienübertragung.
  • Auf Krankheitszeichen achten;

    Entsteht nach etwa 3 Tagen eine Rötung rund um die Einstichstelle und breitet sich diese allmählich ringförmig aus,  sollte an die für Lyme-Borreliose typische Wanderröte gedacht werden. Rötungen unmittelbar nach dem Stich kann eine Fremdkörperreaktion des Körpers auf die Zecke sein.  Auch beim Auftreten grippaler Symptome sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Wie wird die Zecke entfernt?

Um die Zecke aus der Haut zu entfernen, muss ein Widerstand überwunden werden: Die Zecke ist durch Widerhaken am Stechrüssel in der Haut verhaftet. Ein Drehen beim Entfernen ist nicht zu empfehlen.
Mit einer spitzen Pinzette, Zeckenkarte oder einem Zeckenlasso wird der Zeckenkörper so nah wie möglich an der Haut umgriffen und langsam von der Einstichstelle weggezogen.
Es kann sein, dass bei dieser Prozedur der oft als "Kopf“ bezeichneten Stechapparat der Zecke in der Haut verbleibt. Dies hat keinen Einfluss auf die Erregerübertragung. Das in der Haut verbliebene Mundwerkzeug stößt der Körper im Laufe einiger Tage ab.
 
Eine Anleitung zum Entfernen der Zecken finden Sie hier. (Bildserie zur Entfernung einer Zecke. Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (2019))
 
Wichtig:
Keinen Stress auf die Zecke ausüben. Gerät die Zecke unter Stress erbricht  sie ihren Darminhalt, in dem sich die Erreger befinden, oder sondert vermehrt Speichel ab und es kann zur  Übertragung von Erregern kommen. Deshalb sollten sie folgende Entfernung unterlassen:
  •  Zecke nicht mit Öl, Nagellackentferner oder Klebstoff übergießen
  •  Zecke nicht herausdrehen (nur Zug ausüben) oder quetschen
  •  Eingestochene, saugende Zecken nicht abduschen (heißes Wasser und/oder  Duschgel stresst die Zecke ebenfalls).
 
Ist die Zecke entfernt gilt es, sie korrekt zu entsorgen. Folgende Methoden können dabei angewendet werden:
  • Zecke in 70% Alkohol oder Spiritus legen
  • Zecke verbrennen.
 
Abzuraten ist davon, die Zecke einfach im Waschbecken hinunterzuspülen.
Die kleinen Tierchen sind robust und können unter Umständen wieder herauskrabbeln.

Impfempfehlung und Antibiotika
Personen, die viel im Wald und Flur unterwegs sind, sei es in der Freizeit oder bei der Arbeit, sollten sich durch eine aktive Impfung vor der durch Zecken übertragenen FSME schützen. Hierzu ist eine Grundimmunisierung nötig. Diese muss aber regelmäßig -  alle 3 bis 5 Jahre (je nach Alter) – aufgefrischt werden.
Gegen Borreliose ist derzeit in Europa keine vorbeugende Impfung möglich. Die Lyme-Borreliose lässt sich jedoch, anders als die FSME, bei rechtzeitiger und ausreichender Gabe von Antibiotika in der Regel gut behandeln.
 
Zecken-Mythen
Die folgenden Aussagen sind reine Mythen und nicht zutreffend. Sie beziehen sich auf den gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus), die hierzulande häufigste Zeckenart.
  • Zecken lassen sich von Bäumen fallen
    Zecken halten sich in maximal  1,5m Höhe auf. Sie  bevorzugen feuchten Bereichen wie Wiesen,  Büschen und im Unterholz. Beim Vorübergehen werden die Zecken abgestreift und gelangen so auf den Menschen.
  • Zecken sind nur im Sommer aktiv
    Steigt die Temperatur auf etwa plus 8 Grad Celsius an, werden die Zecken aktiv. Dies kann auch in anderen Jahreszeiten, z.B. in milden Wintern vorkommen.
  • Die FSME-Impfung hält ein Leben lang
    Um einen wirkungsvollen Schutz zu gewährleisten, müssen eine Grundimmunisierung und danach regelmäßige Auffrischungsimpfungen  erfolgen.
  • Zeckenstiche sind nur in Süddeutschland gefährlich
    Baden-Württemberg ist, wie auch einige andere Bundesländer (z.B. Bayern), ein Risikogebiet für FSME. Das heißt, hier wird regelmäßig eine bestimmt Anzahl von FSME Erkrankungen beobachtet. Allerdings kommen überall in Deutschland – wenn auch seltener –  mit FSME-infizierte Zecken vor, ebenso im Ausland (z.B.  Polen, Österreich oder Russland). Für die Lyme-Borreliose, eine  ebenfalls durch Zecken  übertragen Erkrankung, ist die  Infektionsgefährdung in allen Teilen Deutschlands gleich hoch.
  • Zecken beißen ihre Wirte
    Zecken besitzen einen Stechapparat, ähnlich wie Insekten. Mit einem scherenartigen Mundwerkzeug ritzen sie die Haut des Opfers auf und saugen mit ihrem Rüssel das Blut. Der Stich bleibt meist unbemerkt, da der Speichel der Zecke betäubend wirkt. So können sie ungestört ihre Blutmahlzeit zu sich nehmen.
  • FSME wird nur im Sommer übertragen
    Die Infektionskrankheit heißt zwar „Frühsommer-Meningo-Enzephalitis“,  kann aber auch in anderen Jahreszeit und sogar in milden Wintern übertragen werden, wenn die Temperaturen auf etwa plus 8 Grad Celsius steigen und die Zecken aktiv sind.

Was sind Hyalomma-Zecken?
Hyalomma-Zecken kommen in Teilen Asiens, Afrika sowie Südosteuropa vor. Die Tiere sind etwa doppelt so groß wie der  gemeine Holzbock. Zu erkennen sind sie an ihren gestreiften Beinen, mit denen die Zecken aktiv auf ihre Opfer zukrabbeln können. Hyalomma-Zecken können gefährliche Krankheitserreger, wie das Krim-Kongo-Virus, in sich tragen. Dies kann beim Menschen das schwere, manchmal sogar tödliche Krim-Kongo-Hämorrhagische-Fieber (CCHF) verursachen.
Seit 2007 findet man Hyalomma-Zecken auch in einigen Regionen in Deutschland. In diesen ließen sich bislang allerdings keine Infektionserreger nachweisen.
 
Größenvergleich gemeiner Holzbock (heimische Zecke, links) und die Hyalomma-Zecke Bild: Lidia Chitimia-Dobler
Größenvergleich gemeiner Holzbock
(heimische Zecke, links) und die Hyalomma-Zecke
Bild: Lidia Chitimia-Dobler
 
                                                                                              
 


Landratsamt Rottweil